Zerstörungsfreie Prüfung (ZfP) - Grundlagen, Verfahren und Anwendung
Was versteht man unter Zerstörungsfreier Prüfung (ZfP)?
Die Zerstörungsfreie Prüfung (ZfP) umfasst Prüfverfahren, mit denen Bauteile und Schweißnähte auf Unregelmäßigkeiten untersucht werden, ohne das Bauteil zu beschädigen oder seine Gebrauchstauglichkeit einzuschränken.
ZfP-Verfahren sind ein wesentlicher Bestandteil der Qualitätssicherung im Stahl-, Metall- und Anlagenbau und werden in Normen, technischen Regelwerken sowie in Bau- und Lieferverträgen verbindlich gefordert.
Warum sind ZfP-Verfahren erforderlich?
Zerstörungsfreie Prüfungen dienen insbesondere dazu:
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die Sicherheit tragender Bauteile zu gewährleisten
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Fertigungs- und Schweißfehler frühzeitig zu erkennen
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kostenintensive Nacharbeiten zu vermeiden
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Abnahmen fachlich vorzubereiten
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normkonforme Nachweise zu erbringen
ZfP ersetzt keine konstruktive Auslegung, ist jedoch ein entscheidendes Kontrollinstrument in Planung, Fertigung und Ausführung.
Überblick der gängigen ZfP-Verfahren
Je nach Werkstoff, Bauteilgeometrie und Anforderung kommen unterschiedliche Prüfverfahren zum Einsatz.
Im Folgenden werden die bei TBQ angewendeten Verfahren VT, PT und MT fachlich eingeordnet.
Visuelle Prüfung (VT)
Grundlegendes ZfP-Verfahren
Die visuelle Prüfung (Visual Testing – VT) ist das grundlegende Prüfverfahren der ZfP und bildet häufig den ersten Schritt jeder Qualitätsprüfung.
Sie erfolgt mit:
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dem bloßen Auge
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optischen Hilfsmitteln (z. B. Lupen, Spiegel)
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geeigneter Beleuchtung
Was wird bei VT geprüft?
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Nahtform und Nahtübergänge
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Oberflächenbeschaffenheit
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Maßhaltigkeit und Ausrichtung
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sichtbare Risse, Poren oder Unregelmäßigkeiten
Normative Grundlage
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DIN EN ISO 17637
➡️ VT ist in nahezu allen Projekten erforderlich und nicht durch andere ZfP-Verfahren ersetzbar.
Farbeindringprüfung (PT)
ZfP-Verfahren für oberflächenoffene Fehler
Die Farbeindringprüfung (Penetrant Testing – PT) dient der Sichtbarmachung feinster oberflächenoffener Fehlstellen.
Das Verfahren nutzt die Kapillarwirkung eines Eindringmittels, das in offene Fehlstellen eindringt und durch einen Entwickler sichtbar gemacht wird.
Typische Anwendungsfälle
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Edelstahl und Aluminium
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nicht magnetisierbare Werkstoffe
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Bauteile mit komplexer Geometrie
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Schweißnähte mit hohen Oberflächenanforderungen
Normative Grundlage
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DIN EN ISO 3452
➡️ PT eignet sich ausschließlich für oberflächenoffene Fehler.
Magnetpulverprüfung (MT)
ZfP-Verfahren für ferromagnetische Werkstoffe
Die Magnetpulverprüfung (Magnetic Particle Testing – MT) ermöglicht den Nachweis von oberflächen- und oberflächennahen Fehlern an magnetisierbaren Werkstoffen.
Durch Magnetisierung des Bauteils entstehen Streufelder an Fehlstellen, an denen sich Magnetpulver sichtbar anlagert.
Typische Anwendungsfälle
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Stahlkonstruktionen
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sicherheitsrelevante Schweißnähte
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tragende Bauteile
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Maschinen- und Anlagenbau
Normative Grundlage
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DIN EN ISO 9934
➡️ MT ist nur bei ferromagnetischen Werkstoffen anwendbar.
Vergleich der ZfP-Verfahren VT / PT / MT
| Kriterium | VT | PT | MT |
|---|---|---|---|
| Zerstörungsfrei | ja | ja | ja |
| Oberflächenfehler | ja | ja | ja |
| Oberflächennahe Fehler | eingeschränkt | nein | ja |
| Magnetisierbarer Werkstoff erforderlich | nein | nein | ja |
| Grundverfahren | ja | ergänzend | ergänzend |
Qualifikation des Prüfpersonals
ZfP-Prüfungen dürfen nur durch qualifiziertes und personenzertifiziertes Prüfpersonal durchgeführt werden.
Die Qualifikation erfolgt nach:
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DIN EN ISO 9712
Dabei wird zwischen verschiedenen Stufen unterschieden (Stufe 1–3), abhängig von Verantwortungsbereich und Prüfkompetenz.
Einordnung im Projektablauf
ZfP-Verfahren werden eingesetzt:
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vor dem Schweißen (Vorbereitung)
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während der Ausführung (Zwischenprüfung)
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nach Abschluss der Arbeiten (Endprüfung / Abnahme)
Die Auswahl der Prüfverfahren erfolgt projekt- und normabhängig.
Abgrenzung zu Prüflaboren
ZfP-Prüfungen können durch:
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internes Prüfpersonal
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externe Prüfer
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akkreditierte Prüflabore
durchgeführt werden.
Akkreditierte Prüflabore sind insbesondere dann erforderlich, wenn:
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hoheitliche Prüfungen
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behördliche Nachweise
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unabhängige Drittprüfungen
gefordert sind.
Fazit
Zerstörungsfreie Prüfungen sind ein zentrales Element der technischen Qualitätssicherung.
VT, PT und MT ergänzen sich und müssen sachgerecht ausgewählt, normkonform durchgeführt und fachlich bewertet werden.
Eine fundierte ZfP-Strategie trägt wesentlich zur Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Nachvollziehbarkeit technischer Projekte bei.
➡️ Verweise auf:
Leistungen: Zerstörungsfreie Prüfung (ZFP)
Fachwissen: Zusammenarbeit mit Prüflaboren
Angebot: Preisübersicht / Honorarrichtwerte